Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.

Kreisvereinigung Göttingen

26.05.2012

Ehrentafel für Gustav Kuhn gefordert

Am 24. Juni brachte die Ratsfraktion Göttinger Linke einen Antrag auf eine Gedenktafel für den Göttinger Antifaschisten Gustav Kuhn in den Kulturausschuss der Stadt ein. Initiiert wurde dieser Antrag vom Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur.

Der Kommunist und Antifaschist Gustav Kuhn war Mitglied der KPD. Er leitete in Göttingen den Kampfbund gegen den Faschismus, war aktives Mitglied der Revolutionären Gewerkschaftsopposition (RGO) sowie Kassierer der Göttinger Roten Hilfe. Am 1. März 1933 wurde Kuhn von den Nazis verhaftet und in „Schutzhaft“ genommen. Er verbrachte die Zeit bis 1945 in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern. Nach seiner Befreiung aus dem KZ wohnte Kuhn in Göttingen in der Petrosilienstraße 8. Bis zu seinem Tode am 3.10.1954 engagierte er sich für die Entschädigung der im Faschismus Verfolgten und gegen das Wiedererstarken der faschistischen Gefahr.

Der LINKEN-Landtagsabgeordnete Patrick Humke erklärte zur Einbringung des Antrags: „Gustav Kuhn steht für einen wichtigen Teil der proletarischen Widerstandskultur gegen den Nationalsozialismus in Göttingen, der bisher nur unzureichend gewürdigt wurde. Sein Beispiel macht deutlich, dass es - anders als etwa an der Universität - in der Göttinger Arbeiterbewegung aktiven Widerstand gegen die Nazis gab. Für seine Mitglieder endete er in aller Regel im KZ.“

Im Göttinger Tageblatt war zu lesen, dass die Sozialdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck (SPD) den Antrag als „berechtigtes Begehren“ bezeichnete. Sie schlug vor, statt einer Gedenktafel für Gustav Kuhn eine „eigene Form“ des Gedenkens der antifaschistischen Widerstandsbewegung in Göttingen zu finden. Die Antragsteller um den Förderverein für antifaschistische Kultur wollen nun prüfen, welche Gedenkformen konkret in Frage kämen. So gibt es in der Stadt Erfurt z.B. seit einigen Jahren etwa 1,40 m hohe, festinstallierte DenkNadeln, die aus dem Stadtbild hervorstechen und auf denen über die Lebensläufe von Verfolgten und Widerstandskämpfern im deutschen Faschismus informiert wird. Die DenkNadeln sind dabei nicht nur ein markanter Hingucker im Stadtbild, sie symbolisieren auch eine weiterhin offene Wunde. Mehr Informationen zu den Erfurter DenkNadeln findet mensch auf www.alte-synagoge.erfurt.de/jle/de/gedenken/denknadel

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